Interview mit Roland Koch

Liebe Schüler/ innen,

anbei ein Auszug aus einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, erschienen am 20. Januar 2008, mit Ministerpräsident Koch zum Thema ,,Jugendgewalt“. 

·        Lest euch das Interview durch

·        Unterstreicht die für euch wichtigsten Aussagen

·        Welche Meinung vertritt Herr Koch zum Thema ,,Jugendgewalt“?

·        Diskutiert in der Gruppe das Thema ,,Jugendgewalt“  

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: Brandstifter, Hetzer, Rassist werden Sie seit Ihrem Vorstoß zur Verschärfung des Jugendstrafrechts und für die konsequentere Abschiebung krimineller Ausländer geschimpft. Sind Sie zufrieden damit, wie sich Ihre Wahlkampagne entwickelt hat?

Roland Koch: Ich meine, die Parteien auf der Linken könnten es sich sparen, ihre Konflikte mit solchen persönlichen Anfeindungen auszutragen. Wir sollten mit aller Härte streiten, wenn es um die Sache geht, aber nicht unseren Anstand und unsere Moral in Frage stellen. Andererseits müssen sich Wahlkämpfe mit den Themen befassen, die eine große Zahl von Menschen bewegen. Und wenn ich es wage, bisher tabuisierte Themen anzusprechen, dann muss ich wohl auch mit den panischen Beleidigungen durch meine Konkurrenten leben.

FAS: Müssen Sie sich nicht vorwerfen lassen, Sie diskutierten sensible Themen, wie Ausländerkriminalität, auf Stammtischniveau? Koch: In den neun Jahren als Ministerpräsident habe ich sehr viel Beispielgebendes für die Integration von Ausländern getan. Aber ich habe immer auch die Herausforderungen, Schwierigkeiten und großen Probleme benannt, zu denen eben auch die Kriminalität gehört. SPD und Grüne wollen bestimmte Teile ihrer multikulturellen Philosophie am liebsten gar nicht mehr diskutieren oder in Frage stellen. Ich hingegen glaube, dass in der Vergangenheit erhebliche Fehler gemacht worden sind. Wenn wir früher klargestellt hätten, dass Kinder vor der Einschulung Deutsch können müssen und nicht erst, als ich die Regierungsverantwortung übernommen habe, hätten wir heute in Hessen eine etwas einfachere Situation bei einem Teil der Fünfzehn- bis Zwanzigjährigen mit Migrationshintergrund.

FAS: Wenn Sie das Schlachten von Tieren im Wohnzimmer anprangern, wenn die „Bild am Sonntag“ sie mit den Worten zitiert „Ich lasse mir von Türken-Vertretern nicht den Mund verbieten“ – gefällt Ihnen diese Form der Zuspitzung?

Koch: Ich bin nicht für jede Schlagzeile einer Zeitung verantwortlich. Grundsätzlich muss aber zugespitzt werden. Wenn der Geschäftsführer unserer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft den Vorschlag macht, man möge Wohnblocks besser ethnisch getrennt belegen, dann ist das nicht vertretbar, und ich habe es gestoppt, weil das nicht meine Vorstellung von Integration ist. Aber ich muss doch auch sehen, wo die Konflikte liegen. Und die Frage des Schächtens von Tieren ist eben leider keine Sache, die nur ganz selten stattfindet, sondern eine, die sehr viele Menschen erregt. Das ist sicher nicht der entscheidende Punkt, aber doch einer, an dem deutlich wird, wie viele Konflikte sich zwischen Deutschen und einem Teil der Migranten aufgestaut haben. Wenn man das nicht frühzeitig anspricht, macht man einen Fehler.

FAS: Was Sie unmittelbar tun könnten, um die Eingliederung von Ausländern zu fördern oder die Kriminalität besser zu bekämpfen, wäre die Schaffung von mehr Stellen für Lehrer, Polizisten, Richter und Staatsanwälte oder der Bau einer weiteren Jugendarrestanstalt.

Koch: Das tun wir doch. Aber die Opposition zählt das Geld ja schon nicht mehr, sondern wirft es mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Tatsache ist, dass wir heute exakt 1131 Polizeibeamte mehr im Dienst haben als zu rot-grünen Zeiten. Und wir wollen in den nächsten fünf Jahren jedes Jahr 500 neue Polizeianwärter einstellen, das sind 150 bis 200 im Jahr mehr als durch Pensionierung abgehen. Unter den westdeutschen Flächenländern sind wir übrigens das Land mit der höchsten Richterdichte. Und die Jugendarrestanstalt in Gelnhausen ist schon erweitert worden und wird im nächsten Jahr noch einmal erweitert.

FAS: Fällt es Ihnen nicht schwer, nach Ihrer Angstkampagne noch die Erfolge Ihrer Sicherheitspolitik herauszustellen?

Koch: Hessen ist ein Land mit vielen internationalen Verflechtungen, einem Weltflughafen und dem zweithöchsten Anteil von Migranten aller Flächenländer, das bringt Herausforderungen mit sich. Umso mehr sind wir stolz darauf, dass wir die Aufklärungsquote auf 55,9 Prozent gesteigert und die Zahl der Straftaten reduziert haben. Das heißt nicht, dass wir damit zufrieden wären. Aber 46 Prozent weniger Wohnungseinbrüche und 25 Prozent weniger Straßenkriminalität sind doch klasse. Dennoch gibt es schreckliche Dinge: Wenn einem Schüler das Handy abgenommen wird, versucht er häufig, das zu verschleiern, indem er sagt, er habe es verloren, weil er befürchtet, die Täter stehen bald wieder vor mir, und dann gibt’s Prügel. Ältere Menschen trauen sich häufig nicht in Restaurants oder kulturelle Einrichtungen, Eltern holen ihre Kinder nachts mit dem Auto ab, obwohl sie an einer S-Bahntrasse leben. Dort, wo Menschen sich bedrängt fühlen, haben wir ein Angebot, wie man das ändern kann.   

(Quelle: http://www.roland-koch.de/Koch-Es-ist-einfacher-sympathisch-zu-sein/1200843944.html )

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